"Daß wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen." - Karl Jaspers

B.A. Sybille Kesselring - Soziale Arbeit / Sozialpädagogik

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August 10, 2015

Netzwerksuche

Welche Bedeutung tatsächlich Netzwerke besitzen, wird manchmal erst bemerkt, wenn sie wegbrechen, nicht mehr auf die Unterstützung, die Gemeinschaft zurückgegriffen werden kann. Oftmals passiert das bei Lebensumbrüchen, wie Trennung, Scheidung, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Umzug, Tod eines nahestehenden Menschen. Dann besteht die Notwendigkeit neue Kontakte zu suchen, um nicht in der Isolation zu verschwinden. Manchmal ist es richtige Arbeit, ein passendes Netz zu finden. Manchmal wird einfach hineingestolpert.

Mit dem Eintritt in die „Schule der Phantasie“ in Weimar Schöndorf wird ein Netzwerk betreten, das so völlig anders ist. Es ist geprägt von einfach mitgenommen werden. Mitgenommen in die Gemeinschaft, in die Arbeit in den Kreativwerkstätten, in die Beschäftigung mit Kindern. Gearbeitet wird hier gern freiwillig und ehrenamtlich. Nur die Leiterin ist fest angestellt und heute Koordinatorin des Eltern-Kind-Zentrums.

Heute arbeite ich immer noch gern und ehrenamtlich als Werkstattleiterin in verschiedenen Projekten.
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August 19, 2014

Ferien in Weimar-Schöndorf: Cool, jetzt bin ich stark!

Erst fand ich das sooo blöd, dass alle anderen weg fahren. Ich musste in die „Stadtrandferien der Schule der Phantasie“. Als ob ich Schöndorf nicht kenne. Ich wohne dort schon ewig. Aber dann, dann wurde ich Schauspieler. Ach so, ich bin Rico und 10.
Das war nämlich so. Es gibt zwei Projekte, sagten die Erwachsenen. So ein Quatsch, das waren doch bloß zwei Gruppen. Die Einen gehen zu Handwerkern und die Anderen gehen zur Demokratie. Demokratie, das klang laaangweilig. Uffs, ich war da drin.
Am ersten Tag ging`s noch nicht zur Demokratie, weil es zu heiß war. Am zweiten Tag redeten wir im Theater der Phantasieschule darüber. Zur Demokratie kann ich nicht gehen. Ich soll sie selber machen. Toleranz gehört auch dazu. Also, das ist, wenn wir streiten was wir spielen, wird abgezählt welches Spiel mehr Kinder spielen wollen. Ist ganz schön schwierig. Weiß nicht, wenn ich das doch nicht spielen will, muss ich dann bei der Demokratie?
Dann sollten wir ein Theaterstück erfinden. Cool, wir Kinder durften bestimmen. Jeder hatte eine andere Idee.
Dann kam alles anders. Während einer Busfahrt quatschte Marie und mich ein Mann an. Fragte wie wir heißen, wo wir hin wollen, wo wir wohnen. Marie hat sich ganz schnell zu unserer Erzieherin gesetzt und versteckt. Sie sagte ihm er soll damit aufhören uns auszuhorchen. Da hat er sie auch noch beschimpft. Was wollte der Mann von uns?
"Der hat doch nur gefragt! "Ich wär weggelaufen" rief Mike. „Im Bus? Du spinnst!“ riefen Leo und Rike gleichzeitig. „Hätte der Mann mir etwas getan?“ fragte Marie.
Was hättet ihr gemacht, wenn keine Betreuerin mit im Bus gewesen wäre, fragten die Erwachsenen. Zum Busfahrer laufen, Erwachsene fragen, klingeln, riefen alle durcheinander. Marie flüsterte: „Ich bin doch noch ein Kind“.
Auch wenn Du klein bist kannst du Hilfe rufen. Damit dich die Erwachsenen sehen, heb deine Hand nach oben mit der Handfläche nach vorn und ruf ganz laut: „Stopp, Halt, ich will das nicht!“.
Wir riefen das gemeinsam, ganz laut. Jetzt war ich stark!
Ich erzähle das Mama, ich meinem Papa, ich auch, ich auch, riefen alle gleichzeitig. Wie wäre es, wenn wir ihnen das vorspielen, fragten die Erwachsenen.
Jetzt war ich Schauspieler und Mama guckte zu. Super cool, ich weiß jetzt was ich machen kann, wenn mich einer blöd anquatscht.
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August 10, 2014

Die Crux mit den Schulden

Der Gang zur Schuldnerberatung ist einer der schwersten im Leben. Trotzdem ist er einer der Hoffnungsvollsten. Die Fragen der Anderen, der Familie, der Freunde warum und wieso hast du dir längst selbst beantwortet oder steckst mittendrin.

Eines weißt du gewiss, gehst du ihn nicht, bleibt alles beim Alten. Der Gerichtsvollzieher steht dann wieder vor der Tür. Du zeigst ihm den ALGII Bescheid. Er kommt nicht mal mehr rein. Er weiß, es ist bei Dir nichts zu holen. Jetzt ist auch noch der Kühlschrank kaputt. Ratenzahlung per Katalog wird nicht klappen. Die Waschmaschine wird erst in 5 Monaten bezahlt sein. Auf die Bitten der Kinder ein Spielzeug zu kaufen, weil andere es auch haben, kannst du nur die Achsel zucken und dich wegdrehen um nicht antworten zu müssen. Du weißt nicht wie du es schaffen sollst, die rückständige Miete zu bezahlen. Die Energiejahresabrechnung nimmst du gerade aus dem Briefkasten. Zwei Raten der letzten Abrechnung sind auch noch offen. Mal etwas erfreuliches. Kitaessengeld wird wegen Krankheit zurückgezahlt. Neue Schuhe brauchte der Kleine. Ein Glück das Sommer ist. Strümpfe werden erst wieder im Herbst gekauft.

Du weißt, du musst zur Schuldnerberatung. Du tust es und stehst vor der Tür. Du hast im Internet recherchiert. Tausend Gedanken schwirren durch deinen Kopf: Vergleich, Insolvenzverwalter, Gläubigerliste, Quotierung, Kontensperrung, Entmündigung, Verbraucherinsolvenz, Restschuldbefreiung, Kostenstundung, Gläubigerbevorzugung, Wohlverhaltensphase, Veröffentlichung im Amtsblatt, Internet, Entschuldung…6 Jahre an der Pfändungsgrenze. Schaffst Du es, fragst Du Dich, die Klinke in der Hand.

Ja, ich will. So will ich nicht mehr leben. Ich will mich nicht mehr verkriechen und bei jedem klingeln zusammenzucken. Vielleicht klappt es dann mit dem neuen Job und der Kleine kriegt seine Schuhe.

So oder mit ähnlichen Gedanken stehen jährlich …..Frauen, Männer, Mütter, Väter, Jugendliche vor der Tür der Schuldnerberatungsstelle irgendeines Vereines in Deutschland, Tendenz steigend. Sie gehen durch diese Tür, weil es für sie die einzige Chance ist, neu zu beginnen, frei von der Last der Schulden.

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